« Durch den Standard ist ein neuer und sehr intensiver Austausch entstanden.»
Brands Fashion setzt auf Fairtrade und hat bereits nach dem ersten Fairtrade-Textilstandard produziert. Im Interview berichtet das deutsche Textilunternehmen, warum der neue Standard überzeugt und welchen Mehrwert er Brands bietet.
Was hat Sie damals bewegt, auf den Textilstandard zu setzen?Besonders überzeugt hat uns der konkrete Ansatz zur schrittweisen Umsetzung existenzsichernder Löhne innerhalb eines zertifizierten Standards. Für uns war das die Gelegenheit, nicht nur über Benchmarks und mögliche Konzepte zu sprechen, sondern praktisch zu starten und Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig fanden wir den Ansatz zur Stärkung der Arbeitnehmervertretung gemeinsam mit lokalen Partnern sehr überzeugend. Die Mitarbeitenden werden Zielgruppengerecht und praxisnah einbezogen und darin unterstützt, ihre Interessen selbst zu vertreten.
Wo sehen Sie den Mehrwert für Ihr Unternehmen, aber auch für Ihre Lieferkette?
Durch den Standard ist ein neuer und sehr intensiver Austausch mit den beteiligten Partnern unserer Lieferkette entstanden. Wir haben offen über Löhne, Sozialversicherungssysteme und Arbeitsbedingungen gesprochen und dabei unglaublich viel gelernt. Gleichzeitig haben unsere Partner unsere Beweggründe besser kennengelernt und sich zunehmend geöffnet. So ist über die Jahre eine Vertrauensbasis entstanden, die unsere Zusammenarbeit und letztlich auch unsere Lieferkette und Beschaffung gestärkt hat.
Welche Benefits bietet der neue Fairtrade Textile Factory Standard Ihrer Einschätzung nach?
Der neue Standard konzentriert sich auf die Konfektion, also auf die Produktionsstufe, in der besonders viele Menschen beschäftigt sind und Marken vergleichsweise direkten Einfluss nehmen können. Diesen Fokus halten wir grundsätzlich für einen pragmatischen Ansatz, um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen breiter in die Umsetzung zu bringen. Gleichzeitig bleiben grundlegende soziale und ökologische Anforderungen an die vorgelagerte Lieferkette bestehen.
Was ist Ihre Vision für eine bessere Textilindustrie, sowohl gemeinsam mit Fairtrade, aber auch darüber hinaus?
Unsere Vision ist eine Textilindustrie, in der grundlegende Nachhaltigkeitsprinzipien selbstverständlich eingehalten werden. Dazu gehören die Achtung der Menschenrechte, verlässliche Sozial- und Umweltstandards sowie eine angemessene Vergütung für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette. Das sollte der Standard und nicht die Nische sein.
Was würden Sie anderen Brands raten, die in Erwägung ziehen, nach dem neuen Fairtrade Textile Factory Standard zu produzieren? Mit welchen Argumenten würden Sie sie überzeigen?
Traut euch, den ersten Schritt zu gehen. Nutzt den Fairtrade Textile Factory Standard, um euch konkret mit existenzsichernden Löhnen auseinanderzusetzen und das Thema gemeinsam mit einem strategischen Partner anzugehen. Sucht den direkten Austausch mit dem Fabrikmanagement und vor allem mit den Beschäftigten. Das schafft Verständnis und stärkt die Zusammenarbeit entscheidend. Nicht alles wird sofort gelingen. Entscheidend ist unserer Einschätzung nach, die gewonnenen Erkenntnisse als Lernerfahrung zu nutzen. Fairtrade unterstützt dabei als wertvoller Sparringspartner.
Inputgeberin: Rabea Schafrick, Leitung Nachhaltigkeit bei Brands Fashion